Basiswissen über Port, Madeira und mehr

Hier könnt ihr euch Grundwissen aneignen aber auch eure Kenntnisse zu über portugiesische Weine und Portwein vertiefen. Alles ist in folgende 3 Kategorien aufgeteilt:


Madeira

MADEIRA Basics - Rebsorten, Anbaugebiet und Vinifizierung

 

ANBAUGEBIETE

Die für den Weinanbau recht schwierige Inseltopographie von Madeira führt dazu das gerade Mal 1200ha Rebenfläche genutzt werden können. Im Gegensatz zu klassischen Weinländern gibt es jedoch keine größeren zusammenhängenden Weinberge, sondern die Trauben werden in winzigen, oftmals nur 2 a großen, terassenförmigen Gärten angebaut, deren Großteil in Privatbesitz ist. Während der Erntezeit, die auf der Vulkaninsel sehr lange von Anfang August bis Ende Oktober andauernd, lesen die Privatpersonen die Trauben aus ihren Gärten und verkaufen diese an eine der acht ansässigen Kellereien. Diese übernehmen die Weiterverarbeitung der Trauben und die Herstellung des Weins.

REBSORTEN

Wie bereits oben erwähnt ist Tinta Negra (rote Sorte), die mit Abstand am häufigsten angebaute, aber für den Liebhaber uninteressanteste Sorte.
Die vier wichtigsten "edlen" Rebsorten sind (allesamt weiße Trauben):
Sercial (wird trocken ausgebaut)
Verdelho (wird halbtrocken ausgebaut)
Boal (auch Bual genannt, wird halbsüß ausgebaut)
Malvasia (auch Malvazia oder Malmsey genannt, wird süß ausgebaut)
Dazu gibt es noch die sehr selten Terrantez (meist halbtrocken) und Moscatel (süß) sowie Bastardo (eizige "edle" rote Traube).

HERSTELLUNG / VINIFIZIERUNG

Die Kellereien selektieren die Trauben zun?ächst in die fünf vorherrschenden Rebsorten. 85% des Traubengutes entfällt auf die mittelmäßige rote Traube Tinta Negra, so etwas wie der Dornfelder Madeiras. Sie erbringt die größten Erträge, lässt sich in alle Süßegrade ausbauen und liefert jedoch nur mittelmäßige Qualität. Die restlichen 15 % entfallen auf die vier weißen Traubensorten der Insel, Sercial, Verdelho, Boal und Malvasia, auf denen der hervorragende Ruf des Madeira aufgebaut ist. Diese Trauben werden entsprechend ihres Charakters unterschiedlich süß ausgebaut, wobei Sercial trocken und leicht säuerlich ist und Malvasia der süßeste und gehaltvollste. Dieser Prozess läuft folgendermaßen ab. Nach dem quetschen der Trauben wird die Maische gepresst und der Gärprozess mittels Hefen in Gang gesetzt und anschließend durch die Zugabe von neutralem hochprozentigem Branntwein gestoppt. Je nach Zeitpunkt des Aufspritzens ergibt dies einen süßen oder trockenen Wein. Nach der Gärung werden die Weine für drei Monate in Stahltanks oder Holzfässern auf ca. 50 Grad erhitzt und anschließend frühestens nach drei Jahren Lagerung im Fass abgefüllt. Wobei die besten Qualitäten mindestens 10 Jahre und teilweise bis zu 100 Jahren im Fass ausgebaut werden. Diese einmalige Technik des "einkochens" ergibt den am längsten haltbaren Wein der Welt, der auch nach Flaschenöffnung bei niedriger Zimmertemperatur über Jahre ohne Qualitätsverlust aufbewahrt und glasweise genossen werden kann. Es existieren sogar noch Flaschen aus dem 18.Jahrhundert, deren Inhalt nach wie vor exzellent ist, wie Kenner der Szene bestätigen. Der grundsätzliche Stil des aufgrund der Aufspritzung recht alkoholstarken Weins (meist um 18 Volumenprozent Alkohol) zeichnet sich durch ein einzigartiges Aroma von getrockneten Feigen und Pflaumen, Orangen, Zimt und weiteren Gewürzen aus. Im Geschmack kommen dann oft noch Backaromen und Karamell oder auch spritzige Säure hinzu. Madeira ist ein idealer Dessertwein, der sowohl zu süßem Gebäck, Schokolade als auch zu kräftigem Schimmelkäse hervorragend passt. Dieser unvergleichbare Stil zeigt sich jedoch nicht bei den einfacheren Inselweinen die aus Tinta Negra gewonnen werden und den überwiegenden Teil der Gesamtproduktion ausmachen und auch in Deutschland im Supermarkt erhältlich sind. Um den wahren Geschmack eines guten Madeiras zu erleben, muss man schon einen Wein wählen der mindestens 10 Jahre im Fass gelagert war. Diese Weine erkennt man daran, dass eine der vier noblen Traubensorten auf dem Etikett vermerkt ist und entweder ein Jahrgang (Colheitas oder Vintages) oder die Altersbezeichnung 10, 15 oder 20 Jahre aufgedruckt ist. Im Fachhandel sind solche Madeiras ab 25 € erhältlich.

STILE

Es gibt grundsätzlich Jahrgangsverschnitte und Jahrgangsmadeira.
Bei den Jahrgangsverschnitten existieren die uninteressanten Verschnitte mit einem Durchschnittsalter von 3-5 Jahren (diese haben teilweise "Markennamen" wie Rainwater und bestehen fast ausschlie?lich aus Tinta Negra) und Verschnitte mit den Altersangaben 10,20,30 und ?ber 40 Jahre. Die Letztgenannten werden in der Regel sortenrein ausgebaut (über 85% der angegebenen Traube) und spiegelen oft ein gutes Preis-Genuss-Verhältnis wieder.
Dazu gibt es noch die Jahrgangsmadeira, bei denen der entsprechende Jahrgang und die Rebsorte auf dem Etikett angegeben ist. Diese Weine reifen meist nach der Canteiro Methode. Bei Vintages mindestens 20 Jahre im Fass, bei Colheitas mindestens 5 Jahre. Wie lange die Hersteller dar?ber hinaus die Weine zunächst im Fass und später noch in der Flasche altern lassen, ist ihre Entscheidung. Relativ selten sind mitlerweile Soleras geworden, bei den ähnlich wie beim Sherry, ein Weinfass mit dem Ausgangsjahrgang nach mehreren Jahren reife wiederholt (maximal 10 mal) mit jüngeren Jahrg?ngen veredelt werden kann.

Eine verlässliche Angabe über die jeweiligen Durchschnittspreise der Stile zu geben ist recht schwierig, am günstigsten sind die Madeiras auf der Insel selber bei den Produzenten zu erwerben, die deutschen Weinhändler schlagen (vermutlich auch aufgrund des sehr geringen Umsatzes und der kleinen importierten Mengen) in der Regel 40 - 100% auf die Preise auf (jeweils pro 0,75L Flasche). Ich gebe nachfolgend Richtwerte für Preise (wobei diese natürlich von Hersteller zu Hersteller variieren) auf der Insel an, jeder kann sich daran orientieren und einschätzen ob der "deutsche" Preis fair ist. Die unterschiedlichen Rebsorten sind bei den Verschnitten meist gleich bepreist, bei Jahrgangsmadeiras kann es nach jeweiliger Erntemenge des entsprechenden Jahrgangs zu Verschiebungen kommen.
10 jährige Madeira: 15-22?
15 jährige Madeira: 23-35?
20 jährige Madeira: 35-45?
Jahrgangsmadeira:
die jängeren Colheitas 1995-2002: ca. 15-25?
Vintages 80er Jahre: 50-90?
Vintages 70er Jahre: 65-110?
Vintages 60er Jahre: 75-130?
Vintages 50er Jahre: 100-150?
ältere Vintages aus den Anfangsjahren des 20.Jahrhunderts sind auch bei den meisten Herstellern noch erhältlich, aber sehr selten, so dass die Preise bei 150-350? liegen. Alles was noch älter ist (18. und 19. Jahrhunderts) ist kaum mehr zu finden, höchstens auf Auktionen. Diese Madeiras sind äußerst gesucht und dementsprechend teuer.

WEINGÜTER

Insgesamt sind gibt es nur noch 8 Produzenten auf der Insel, die sich in Qualität und Quantität deutlich unterscheiden. Früher gab es diverse weitere Hersteller, deren alte Flaschen immer wieder auf Auktionen auftauchen.
Der mengenmäßig mit Abstand größte Produzent von Madeira mit Schwerpunkt einfacher Madeiras für den französischen Markt (ca. 2.000.000 Flaschen jährlich) ist Justino's (auch Justino Henrique).
Mittelgroße portugiesische Betriebe sind Barbeito, H.M.Borges und Pereira D`Oliveira.
Die Madeira Wine Company ist ein Zusammenschluss von vier ursprünglich englischen Produzenten, die seit einigen Jahren zur Symingtongruppe gehört.
Henriques & Henriques ist der größte portugiesische Produzent und Exporteur von Qualitätsmadeira.
Der mit Abstand kleines Produzent ist Artur Barros e Sousa (ABSL), ein Zwei-Mann-Betrieb, der ausschließlich exzellenten Qualitätsmadeira herstellt und nicht exportiert.
Dazu kommt noch Faria & Filhos , ein recht junger Betrieb der hauptsächlich für einfachere Qualitäten steht und außerhalb des portugiesischen Marktes kaum bekannt ist.
Für Qualitätsmadeira am interessantesten sind H&H (deren Stil, eher elegant mit hohem Anteil flüchtiger Säure ist), Borges und Barbeito (beide ebenfalls recht spritzig und Säurehaltig), sowie die MWC (die eher opulente und süßere Madeiras kreiieren) und natürlich Artur Barros e Sousa (deren Stil eher filigran, rund und weich ist).

JAHRGÄNGE

Im Gegensatz zu Port gibt es bei Madeira keine generelle Einigkeit der Hersteller dazu welche Jahrgänge als besonders groß gelten. Aufgrund der klimatischen Verhältnisse ist es beinahe in jedem Jahr möglich, bei entsprechender Selektion, einen Madeirawein mit Vintage Qualität herzustellen. Wobei die jeweiligen mikroklimatischen Bedingungen oftmals erhebliche Unterschiede zwischen den Rebsorten ergeben. D.h. wenn zB 1980 ein gutes Jahr für Boal war, müssen Verdelho und Sercial noch lange nicht gut in diesem Jahr gelungen sein.
Die jüngsten derzeit erhältlichen Vintages (aufgrund der Vorschrift von 20jähriger Reife im Fass) stammen aus den 80er Jahren.

tiefergehende Informationen gibt es auf der sehr guten Madeira Seite von Herrn Dr. Reutter