Douro-Tal

Die Portweinregion entdeckt sich neu

online seit 24.03.2015
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Blick auf Quinta do TedoBlick auf Quinta do Tedo || KLICK FÜR ORIGINALGRÖßE

Die Auffahrt und die Treppen auf Quinta de Marrocos sind ziemlich steil. Der Höhenunterschied von der Uferstraße zum Kellereigebäude direkt oberhalb am Steilhang entspricht dem eines mittelgroßen Bürogebäudes vom Sockel bis zum Dach. Nur ohne Aufzug. Eine Tour durch sein Weingut mit Besitzer Cesar Sequeira erfordert somit ein Mindestmaß an physischer Kondition. Die Besucher im Norden Portugals sind international. Eine kleine Gruppe französischer Urlauber war vor mir, leicht schnaufend, zu Gast. In Frankreich wird zwar weltweit am meisten Portwein konsumiert und dennoch sind die Kenntnisse über den Wein aus dem Dourotal eher rudimentär und somit auf demselben Stand wie bei den meisten Deutschen. Aber das macht dem 71-jährigen fitten Grandseigneur nichts aus, seit fast 20 Jahren zeigt er beinahe täglich sein Lebenswerk und sorgt dafür, dass seine beeindruckende Heimat, ein UNESCO Weltkulturebene, vielleicht bald den verdienten Platz auf der Liste der schönsten Flecken Europas findet.


Natürlich kann man im Dourotal, der Heimat des Portweins, auch ganz gewöhnlich absteigen, die Bandbreite der Unterkünfte erstreckt sich von einigen Luxushotels bis hin zu einfachen zwei Sterne Herbergen. Für den weinaffinen Reisenden bietet die Region allerdings auch die besondere Gelegenheit, direkt auf einigen Quintas zu übernachten. Eine nahezu einzigartige Möglichkeit seinen Urlaub zu verbringen. Es ist die Kombination des Aufenthalts in traumhafter Umgebung und des hautnahen Erlebens der traditionellen Weinherstellung. Es hat sich viel verändert seit Ende der 1980er Jahre in einer der schönsten Kulturlandschaften Europas. Über Jahrhunderte war das Anbaugebiet Douro mangels guter Infrastruktur schwer erreichbar. Auch heute erscheint es unvorstellbar wie dem kargen Boden an den steilen Hängen, die eine Höhendifferenz von 80 bis 600 Meter aufweisen, ohne Maschinen Nutzland abgetrotzt wurde. Die Weinbauern blieben früher unter sich und erzeugten Weine, die sie dann an die Händler, welche in Porto ansässig waren, verkauften. Nicht wenige dieser Negociants, die in der Portweinbranche "Shipper" genannt wurden, hatten nie einen Fuß in die Gegend um Pinhao und Regua gesetzt, obwohl ihnen der beeindruckende Anblick der terrassierten Rebanlagen und der malerischen Gutshäuser sicher gefallen hätte. Aber das ganze Land und die Weinregion hat sich nach dem Beitritt zur EU im Jahre 1986 geöffnet und verändert. Autobahnen und Schnellstraßen wurden gebaut - heute dauert eine Fahrt vom Flughafen in Porto mitten ins Herz der Anbauregion nur noch eineinhalb Stunden. Viele Winzer begannen ihre Weine und Portweine seitdem selber zu vermarkten und haben damit ein neues Zeitalter eingeläutet, welches sich jedoch behutsam entwickelte. Selbst Anfang dieses Jahrhunderts konnte man die Übernachtungsgelegenheiten und Restaurants im Dourotal noch an einer Hand abzählen. Ähnlich wie der ehemalige Chemieprofessor Sequeira, der seinen Ruhestand auf dem familieneigenen Besitz verbringt, haben in den letzten Jahre einige Weingüter, die man in Portugal als Quintas bezeichnet, neben dem Kerngeschäft auch den Tourismus für die Region entdeckt und ihre Weingüter entsprechend investiert.


Die gesamte Region des Alto Douro, so heißt das Anbaugebiet offiziell, erstreckt sich entlang des Douroflusses ca. 90km landeinwärts von Porto bis zur spanischen Grenze auf 240.000 Hektar von denen knapp 40.000 mit Reben bepflanzt sind. Die Gegend, welche ganz vom Weinbau dominiert wird, ist so groß wie das Saarland, aber deutlich spärlicher besiedelt. Ein Hauptgrund warum die Weingüter ganz andere Dimensionen haben als in Deutschland. Die meisten sind wesentlich größer und das Wohnhaus, sowie die Kellerei- und Wirtschaftsgebäude befinden sich direkt in den Weinbergen. Eine äußerst reizvolle Lage, oftmals isoliert von den nächsten Ortschaften. Die meisten der Gutshäuser, in denen sich auch die Gästezimmer befinden, stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und haben einen dementsprechend unwiderstehlichen Charme. Auf Quinta de la Rosa kann man den typischen Aufbau einer solchen Anlage gut erkennen, auf der obersten Ebene befinden sich das Gutshaus und die Gästezimmer mit phantastischem Blick auf den Fluss und direkt darunter die Kellerei. Das erzeugt gerade im Erntemonat September ein herrliches Flair, wenn die Trauben zum Most und dann zu Wein verarbeitet werden. Man kann dann Wein atmen. Ein weitere Ebene tiefer, beim Bau der Weingüter wurden die geografischen Gegebenheiten ausgenutzt, befindet sich das Weinlager. Hier reifen die Weine und Portweine in großen Holzfässern. Auf Quinta do Vallado, nicht weniger spektakulär gelegen, hat man vor drei Jahren zusätzlich zum alten Gutshaus noch einen Neubau, mit einer Fassade aus den für die Region typischen Schieferplatten, errichtet, um die Kapazität zu erhöhen. Nun hat man immerhin elf Zimmer, aber ein reservieren der Liegen am Pool ist nach wie vor nicht nötig.


Auch lukullisch hat sich die Region enorm weiter entwickelt, ist dabei aber beim Essen wie beim Wein authentisch geblieben. Man legt Wert auf regionale Produkte und einheimische Rebsorten. Zu den Spezialitäten gehören einerseits herzhafte Suppen, Lamm und Zicklein sowie der omnipräsente Bacalhau (Kabeljau). Neben den Portweinen, welche die Region berühmt gemacht haben, haben mittlerweile auch die Weiß- und Rotweine unter anderem von Quinta do Crasto, Quinta do Vale Meao oder Niepoort einen hervorragenden internationalen Klang. Innerhalb Portugals gilt das Gebiet schon seit fast einem Jahrzehnt führend. Wem nach dem Besuch von Weingütern und deren Restaurants der Sinn nach Aktivität steht, der kann inmitten der Weinberge und auf einigen markierten Wanderwegen großartige Spaziergänge unternehmen. Abgesehen von den Wintermonaten, wenn das Dourotal ein wenig verlassen wirkt und die kühlen Temperaturen sowie die regelmäßigen Niederschläge nicht gerade für Aufheiterung sorgen, zeigt sich Region dabei in den unterschiedlichsten Farben. Man sagt es gebe alleine 50 verschiedene Grüntöne. Bei Quinta do Tedo werden den Gästen auch Mountainbikes und Kajaks offeriert, mit den man dann individuell die Gegend erkunden kann. Auch Bootstouren und Wasserski wird von einigen Anbietern in Peso da Regua und Pinhao angeboten. Kulturell kann die Region mit drei interessanten Orten aufwarten. Lamego mit der beeindruckenden Anlage der Sanutario dos Remedios, einer Bergkirche mit einer Treppenanlage die sich bis in die Innenstadt zieht und Vila Real, dass als Hauptattraktion den aus dem 18. Jahrhundert stammenden Mateus Palast samt herrlicher Gartenanlage zu bieten hat. Beide befinden sich im Westen des Anbaugebietes. Die prähistorischen Felszeichnungen ganz im Osten im Coa-Tal, einem Nebenfluss des Douro, markieren ein separates Weltkulturerbe, sie wurden erst Anfang der 1990er Jahre entdeckt und beweisen, dass in dieser Gegend schon vor über 2000 Jahren Menschen siedelten, die einen besonderen Sinn für Verschönerung der Landschaft hatten. Man kann den archäologischen Park am besten im Rahmen einer Führung auf Quinta da Ervamoira, die zum Weingut Ramos Pinto gehört, entdecken.

Der Tourismus am Douro ist seinen Kinderschuhen entwachsen und dennoch weit davon entfernt überlaufen zu sein. Cesar Sequeira blickt zufrieden auf die bisherige Entwicklung zurück. Pauschaltourismus und Hektik sind noch immer fern in einer Gegend die, wer weiß wie lange noch, ein Geheimtipp unter den Reisezielen auf der iberischen Halbinsel ist.



Empfehlenswerte Quintas mit angeschlossener Weinkellerei:

Quinta de Marrocos: 5 Zimmer, welche sich im alten Gutshaus befinden. Traditionell ausgestattet, hier kann man eine kleine Zeitreise erleben. Nahe Regua verkehrsgünstig gelegen. Familiärer Charme, Besitzer Cesar Sequeira empfängt die Gäste persönlich, seine Töchter Rita, Winzerin, und Catarina, Marketing, arbeiten im Familienweingut. Schöner Ausblick direkt oberhalb des Douroflusses. DZ: 70€
Quinta do Tedo: 4 Zimmer und 1 Appartement, alle im Jahre 2011 renoviert, schöner Garten samt Pool. Das Weingut befindet sich seit 1992 im Besitz des amerikanisch-französischen Paars Kay und Vincent Bouchard. Die beiden Quereinsteiger haben mit viel Aufwand und Passion die Quinta hergerichtet. Herrliche Lage auf einer Anhöhe am Zusammenfluss von Tedo und Douro. DZ: 95-115€
Quinta do Vallado: 13 Zimmer, die alle erst vor kurzem renoviert wurden. Seit fast 200 Jahren im Besitz der traditionsreichen Familie Ferreira. Nahe Regua gelegen, schöner Ausblick auf die Stadt und den Fluss. Einige der luxuriösen Zimmer befinden sich im alten Gutshaus aus dem 18.Jahrhundert, die anderen in einem architektonisch sehr gelungenem Neubau. Zur Anlage gehört ein sehr schöner Garten mit Swimmingpool. DZ: 110-220€
Quinta Santo Antonio: 9 Zimmer, an der Südseite des Douro weit oberhalb der Landstraße N222 gelegen, kann man hier absolute Ruhe und einen herrlichen Ausblick genießen. Die Pension befindet sich in einem modernen Anbau direkt neben der traditionellen Kellerei. Familiäre Atmosphäre. DZ: 95€
Quinta de la Rosa: 15 Zimmer und 1 Ferienhäuser. Ein Großteil der Zimmer wurde erst vor kurzem renoviert, alle Zimmer sind unterschiedlich und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Seit über 100 Jahren im Besitz der Familie Bergqvist, wird das Weingut heute von Sophia Bergqvist geleitet. Herausragende Lage, nahe Pinhao, direkt am Fluss mit Swimmingpool. DZ: 75-130€